Das grosse Industrie-Comeback im Laufental

Industriestandorte: Trend geht weg von den Städten und Agglomerationen und mehr zu peripheren Gegenden

Um die Jahrhundertwende musste sich das Laufental als Industriestandort neu definieren, beziehungsweise neu orientieren. Viele industrielle Unternehmen wurden übernommen, mussten ganze Unternehmensanteile verlagern oder den Betrieb einstellen. Aber jetzt verhilft der Umstand des vorübergehenden Mangels an verfügbaren Industriearealen im Grossraum Basel dem Laufental zu einem viel beachteten Comeback als Industriestandort.

(Bild: zVg) Industriezonen im Laufental: Begehrter denn je

Das Laufental war mal ein sehr beliebter Industriestandort. Und dies seit dem 19. Jahrhundert. Der Wasserlauf der Birs ermöglichte die Energiegewinnung und das Tal war schon früh verkehrstechnisch für Industrie-Logistik erschlossen dank der Verbindungsstrasse zwischen Basel und Delémont. Ricola, die Papierfabrik Zwingen, die Keramik Laufen und weitere schweizweit und international bekannte Unternehmen (unter anderem auch im Oristal) prägten das Gewerbe. Um die Jahrhundertwende jedoch sollte sich Einschneidendes tun, was eine Art Identitätskrise im Tal auslöste: Die Keramik Laufen wurde von der spanischen Roca-Gruppe übernommen und eine Verlagerung ganzer Unternehmensanteile folgte. Die Papierfabrik Zwingen schloss und andere Industrieunternehmen mussten Arbeitsplätze verlagern.

An die Stelle der Industrieunternehmen traten als neues Rückgrat der hiesigen Wirtschaft Firmen aus dem Pharmawesen und High-Tech.

Hunderte neuer Industrie-Arbeitsplätze – ein anhaltender Trend
Und nun sind sie wieder da, die Industrie-Arbeitsplätze. Über 500 neue wurden in den letzten beiden Jahren im Laufental geschaffen. Einer der Gründe wird vom unabhängigen Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut BAK, welches umfassende volkswirtschaftliche Auftragsstudien erstellt und die Erkenntnisse daraus für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar macht, beschrieben. Es würde nicht nur an genügend Industriearealen in der Grossregion Basel (inklusive der «klassischen Industriestandorte» im angrenzenden Baselland mit Reinach, Pratteln Aesch, Dornach, Arlesheim, Münchenstein und so weiter) mangeln, sondern es entstünde ein Trend: Die Bewegung weg von den Städten und Agglomerationen in periphere Gegenden könne in der ganzen Schweiz beobachtet werden. Von dieser Bewegung profitierten zuletzt jene Gegenden am meisten, die verkehrsgünstig gelegen sind, Platz haben, und wo die Löhne etwas tiefer sind. All das treffe auf das Laufental zu.
Es sind zudem die tiefen Bodenpreise, welche Unternehmen anziehen. Auch dass es im Laufental viele gut ausgebildete Industrie-Facharbeiter gebe, sei attraktiv, sagen die Kenner der Region. Und die Nähe zu Delémont sei auch ein Vorteil wegen der Facharbeiter aus der Uhrenindustrie im Jura-Bogen.

Wachstumsprognosen eingetroffen
Das Comeback als Industriestandort kommt wie gerufen. Mit fast 50-Prozent-Anteil an der gesamten Wertschöpfung ist die Industrie der stärkste Wirtschaftszweig im ganzen Kanton Baselland. Und Laufen gilt gemäss Expertenkreisen eh schon seit Jahren zur «heimlichen Boom-Region», auch wenn die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse im Baselbiet eindeutig sind. Denn nahezu 85 Prozent der gesamten im Kanton erzielten Wertschöpfung fallen auf die Bezirke Arlesheim und Liestal. Die drei ländlichen Bezirke Laufen, Sissach und Waldenburg sind demgegenüber klassische Wegpendlerregionen mit unterdurchschnittlicher Wirtschaftsleistung und Produktivität. Aber: Die Wachstumsprognosen, die BAK Basel den einzelnen Baselbieter Regionen schon vor drei Jahren stellte, zeigten auf, dass das Laufental bis 2020 das stärkste Wirtschaftswachstum aller fünf Bezirke erleben könnte. Das hohe Wachstum im unteren Kantonsteil und im Laufental gehe einher mit den hohen Branchenanteilen von Pharma und Handel. Diese gelten als Wachstumstreiber. Und jetzt wird das Laufental den eh schon stark überdurchschnittlichen Anteil an Beschäftigten im Industriesektor erhöhen können. Die Wertschöpfung in der Industrie ist anteilsmässig bei hoher Produktivität meist sehr hoch. Kommt hinzu, dass die heute im Laufental ansässigen Industrie-Betriebe in den Bereichen IT, Hightech und Kommunikationstechnologie gut verknüpft sind und somit auch besonders konkurrenzfähig.

Redaktion
Quellen: BAK Basel, SF.tv


Businesspark als Think Tank
Die Kantone Baselland und Solothurn haben zusammen mit Laufener Unternehmer den Businesspark im Industriequartier Ried bei Zwingen gegründet. Ziel: Die bessere Betreuung von Leuten, die ein Unternehmen gründen wollen. 10 Spezialisten stehen den Jungunternehmern zur Seite, wenn es darum geht, einen Businessplan auszuarbeiten. Man möchte so dafür sorgen, dass Nachwuchs-Unternehmer besser reüssieren – und so zur Prosperität des Tales beitragen. Ausserdem soll das gebündelte Fachwissen aus dem Businesspark den Trend mit der Rückkehr der Industrie durch gezielte Massnahmen und Förderungsprojekten unterstützen.

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