Herausforderung des Jahres für die «heimlichen Helden»

Donnerstagmorgen ab 0400 Uhr nach dem Ändstraich folgen jeweils «die zwei Stunden der Wahrheit»

Die Schnitzelbänggler, Guggen, Waggis, Pfyffer und Drummler, die Latärne-Künstler und -Träger und alle Aktiven und Schaulustigen: Das sind die «Helden der drey scheenschte Dääg» des Jahres in Basel. Aber die «heimlichen Helden» der Fasnacht bewegen sich, trotz ihrer auffälligen Arbeitskleidung, unauffällig hinter den Kulissen.

(Bilder: JoW) Ihre Arbeit wird sehr geschätzt: Wie für alle Fasnächtlerinnen und Fasnächtler ist auch für die Crew der Stadtreinigung der Ändstraich etwas Besonderes

Einige hundert Tonnen Kehricht jeglicher Art muss die Basler Stadtreinigung jedes Jahr nach den drey scheenschte Dääg wieder entsorgen (405 Tonnen). Das ist fast das Dreifache jener Menge, die man nach der Luzerner Fasnacht wegräumen musste. Ohne Strategie und Planung ist diese grosse Herausforderung nicht zu bewältigen. Schon viele Wochen vor dem grossen Ereignis stehen die Pläne und alle Eventualitäten bezüglich der Bedürfnislage (Menschen und Maschinen) sind bereits eingeplant. Auch die Wetterkapriolen, die allenfalls zu erwarten waren wie Schnee und Eiseskälte. Dies sind in der Regel die grössten Widersacher bei der Arbeit der Stadtreinigung. Bei wirklich schlechtem Wetter kann man zum Beispiel einige Räumungs- und Putzfahrzeuge nicht einsetzen, da sonst die Mechanik versagen könnte. Dies war heuer an der Fasnacht 2019 nicht der Fall.

Ferien sind Tabu
Besonders «heikel» ist jeweils die Planung des Personals: An den drei Tagen der Fasnacht gilt in der Regel absolutes Ferienverbot. «Ausser … man macht selber Fasnacht. In Basel einer Fasnächtlerin oder einem Fasnächtler an den ‹drey scheenschte Dääg› nicht frei geben zu wollen, grenzt fast schon an Blasphemie. Da müssen wir bei der Planung genau darauf achten», sagte – mit einem Augenzwinkern – an dieser Stelle in einem früheren Interview zum Thema der ehemalige Leiter Stadtreinigung Peter Schär (seit 30. März 2017 ist Dominik Egli in dieser verantwortungsvollen Rolle).

Top koordiniert und effizient gehen die «heimlichen Helden» ans Werk.

Viel Betrieb auf den Hauptachsen
Die Stadtreinigung des Tiefbauamtes Basel-Stadt räumte während der gesamten Fasnacht 2014 bis 2018 im Schnitt knapp 250 Tonnen Fasnachtsabfälle weg. Heuer waren es sogar über 400 Tonnen! Dies entspricht mehr als 1,5 Tonnen pro Mitarbeiter (an die 300 Leute von der Stadtreinigung waren im Fasnachtseinsatz), welche dreieinhalb Tage im Sondereinsatz waren. Die Stadtreiniger sind jeweils an der Fasnacht nach dem Cortège am Montag- und Mittwochabend zwischen 18 und 22 Uhr auf der Hauptachse zwischen Aeschenplatz und Messeplatz sowie auch am Dienstag- und Mittwochmorgen und ab 0400 Uhr am Donnerstagmorgen in der ganzen Innenstadt auf Reinigungstour. Dies in enger Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei, den Basler Verkehrs-­Betrieben (BVB), den übrigen Abteilungen des Tiefbauamtes sowie auch mit Unterstützung durch Gewerbebetriebe.

Highlight-Performance nach dem Ändstraich
Besonders spannend ist die Arbeit gleich nach dem Änd­straich: Noch während bei den Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern der Ändstraich eingespielt wird und die Tränen getrocknet werden, stehen die «Orangenen» der Stadtreinigung start­bereit. Um genau ab 0400 Uhr am Donnerstagmorgen beginnt ihr persönliches Fasnachts-Highlight: Innerhalb zweier Stunden werden die Haupt-Verkehrsachsen der Innerstadt im Gross- und Kleinbasel blitzblank gesäubert sein. Als ob nichts gewesen wäre.
Das Ritual ist jedes Jahr dasselbe. Nur die jeweils unterschiedlichen Wetterverhältnisse verändern die Ausgangslage bei den Planungen der Verantwortlichen der Stadtreinigung, wenn es um die Endreinigung nach dem Ändstraich geht. Und zum Ritual gehört auch, dass die aktiven Fasnächtlerinnen und Fasnächtler zu den Putzequipen ein gutes Verhältnis haben. Man kennt sich, lässt sich zusammen fotografieren und akzeptiert, dass ab genau 0400 Uhr am Fasnachts-Dunnschtig die «Wachablösung» vollzogen wird und die Stadt den Putzkolonnen «gehört». Um 05.00 Uhr müssen die ersten Trams wieder alle Strecken fahren können und um 06.02 Uhr die Hauptachsen gereinigt sein. Knapp ein Dutzend Putzequipen stehen während den drei Tagen im Einsatz. Das sind zirka 250 Leute, verteilt auf alle Tage und 120 Reinigungs-, Räumungs- und Kommunalfahrzeuge sowie eine stattliche Anzahl von Fremdfirmen, die ebenfalls mithelfen, dass die Herausforderung gemeistert werden kann. Das Hauptproblem seien die Unmengen von Flaschen und Dosen, heisst es jeweils von Seiten der Stadtreinigung. Der ganze Abfall, der von der Stadtreinigung aufgelesen wird, kommt bei der Messe auf eine «Räppliburg» und von dort geht der Abfall in die Verbrennungsanlage.

(Bild: Bildarchiv Basel Stadt) Bald ist DO 0400 Uhr – dann kommen die Räppli-Berge weg …

Vielseitigkeit und Fitness sind gefragt
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Fasnachtstage sehr vielseitig. Nur wenige haben nur eine Aufgabe zu erledigen. Vielseitigkeit ist in der Arbeitswelt der Mitarbeiter der Stadtreinigung Usus. Man kann sich intern weiterbilden lassen und «on the job» einiges lernen, sodass jede und jeder mit der Zeit auch beispielsweise einen oder mehrere der Kommunalfahrzeuge führen kann. Poly­valenz ist das Zauberwort. Auch Fitness sei ein wichtiger Faktor. Dies gilt während der Fasnachtstage, aber auch sonst ist dies Vor­aussetzung. Man muss schliesslich auch sechs Stunden mit Maschinen und insgesamt achteinhalb Stunden pro Arbeitstag bei jedem Wetter im Einsatz sein. Das erfordert geistige und körperliche Fitness.

JoW

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