«Region mit Visionen»

Eine Region tüftelt an smarten Ideen und Projekten

Wann fahren wir auf Solarstrassen und wann ist das Smart Parking System perfektioniert? Warum ist das Projekt Smart Green so interessant? Was nutzt uns ein Mixed-Realities-Hub? Das alles sind Visionen, Projekte und Ideen, die derzeit im Netzwerk des Vereins Smart Regio Basel bearbeitet und deren Umsetzbarkeit geprüft werden.

(Bilder: PEXELS) Virtuelle Realität – Grosses Potenzial und vielleicht ist in Basel bald der Mixed Reality Hub auch Realität.

Wir haben an dieser Stelle schon häufig und ausführlich darüber berichtet: Die «Smartifizierung» von urbanen Einzugsgebieten schreitet voran. Und zwar in fast allen Lebensbereichen – auch in der aktuell von der Transformation und Digitalisierung betroffenen Arbeitswelt, in der Mobilitätssteuerung, im öffentlichen Raum und so weiter. Es gibt auch Exponenten, die sich intensiv und engagiert mit der ganzen Thematik beschäftigen. Beispielsweise Mike Vogt, Initiant und Direktor der B2B Fachmesse SmartSuisse in Basel und bei der MCH Group Managing Director Internet of Things, verantwortlich für Strategie du Beratung (vergleiche Interview www.baslerwoche.ch/news-item/smartifizierung-von-stadten-und-urbanen-einzugsgebieten/ und weitere). Er lobt einige Entwicklungen in der Grossregion Basel, die Offenheit zu diesen Themen im wirtschaftlichen und politischen Umfeld sowie auch den Trend, dass Städte in der Schweit anfangen, «Smart City Manager», im Fachjargon «Digital Chief Officers» DCO, einzuführen. Erst gerade letzten Monat hat der Kanton Basel-Stadt und die SBB das Smart City Lab auf dem Areal Wolf eröffnet. Wir haben darüber auch schon mehrfach berichtet.

Steigerung der Attraktivität des Lebens- und Wirtschaftsraums
Dass in der Region viele Leute und Firmen zu diesem Thema zusammenspannen, zeigt sich beispielsweise auch an der Arbeit des Vereins Smart Regio Basel (smartregiobasel.ch). Dieser bezweckt die gezielte Förderung der digitalen Vernetzung in der Region Basel und unterstützt die Entwicklung einer Smart City «um im Kontext der Digitalisierung die Attraktivität des Lebens- und Wirtschaftsraums für die Bevölkerung und die ansässigen Unternehmen nachhaltig zu steigern und die lokale Wertnutzung und Wertschöpfung zu fördern». Dazu bringt der Verein verschiedenste Firmen, Institutionen und Gemeinden zusammen, initiiert und koordiniert gemeinsame Smart City Vorhaben und informiert aktiv über die Chancen und Herausforderungen einer Smart City.

Potential für die Region erkennen
Smart Regio Basel beschreibt seine Aufgaben folgendermassen: Man entwirft ein kohärentes Zielbild der Smart City Entwicklung der Region, vermittelt das grundlegende System und die notwendigen Standards einer Smart City und initiiert die Umsetzung von Pilotprojekten. Konkret heisst dies, dass Bewusstsein geschaffen werden müsse in der Bevölkerung, bei Institutionen und Firmen in der Region durch zielgruppenspezifische Information. Es soll Potential für die Region erkannt und die Vision der Region Basel als funktionales Smart Quarter in der Smart City Schweiz verankert werden. Ausserdem will Smart Regio Basel gemeinsam mit den relevanten Anspruchsgruppen Standards für die Realisierung einer Smart City in der Region, insbesondere im Bereich der Data Governance, der Sensor- und der Kommunikationsinfrastrukturen etablieren. Natürlich sollen auch Projekte initialisiert werden können, indem man basierend auf einem Themenscouting potentialorientiert Smart City Projekte anstösst und begleitet.

Vorteile der Technologie der virtuellen Realität gemeinsam nutzen
Was bedeutet dies aber konkret? Einige interessante Pilotprojekte wurden schon initiiert wie der Mixed-Realities-Hub (MRH). Der Hub soll Firmen aus unterschiedlichen Branchen als Arbeits-, Test- und Showroom für ihre jeweiligen Mixed-Realities-Aktivitäten dienen. Zudem kann der Raum auch von Universitäten und Schulen für Forschungsprojekte und die Unterrichtsgestaltung genutzt werden. Durch den MRH können die Nutzer Infrastrukturkosten teilen, erhalten Zugang zu Testinfrastruktur auf neuestem Stand und es findet ein steter Austausch zwischen Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit statt.

Noch eine Vision, aber bald realisierbar: Fahren wir bald auf Solarstrassen, die sogar durch die Nutzung Strom erzeugen?

Mixed-Realities, also der Einsatz von augmentierter oder virtueller Realität, halten heute in unterschiedlichsten Lebensbereichen Einzug. In verschiedenen Branchen wird der Einsatz dieser neuen Technologien getestet oder sie kommen bereits zum Einsatz. Auch die Konsumenten sind vermehrt mit darauf basierenden Produkten konfrontiert. Um den Zugang zu dieser Technologie, entsprechendes Know-how zu gewährleisten und den Austausch über die Anwendungen zu fördern, soll in Basel ein MRH eingerichtet werden.

Ebenso ein spannendes Projekt: Die Einrichtung eines Testbetriebs für ein sensorgesteuertes Smart Parking System. Daraus gewinnen die beteiligten Gemeinden im Hinblick auf die Einrichtung eines flächendeckenden Systems erste Erfahrungen bezüglich der technischen Anforderungen, der Nutzung, der Auswertung und Steuerung eines solchen Systems.

Cruisen auf der Solarstrasse und gleichzeitig Strom erzeugen …
Nebst den weiteren Projekten – alle sind einsehbar auf der Website smartregiobasel.ch – gibt es viel Platz für visionäre Ideen. So ist ein Gedankenspiel in Gemeinschaft mit der IWB zum Thema «Strassen generieren Strom» äusserst spannend: Die Idee basiert auf dem neu zu überdenkenden Einsatz von Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Diese beeinträchtigen das Landschaftsbild und führen zu Verlust von Lebensraum. Daneben steigt der Bedarf an sauberer Energie und einfachem Laden von Elektrofahrzeugen. Eine Lösung könnte sein, dass die Photovoltaik-Technologie in eine bereits grossflächig vorhandene Infrastruktur integriert wird und beispielsweise Solarstrassen entwickelt werden. Das Startup «solmove» und weitere Hersteller tun dies bereits. Der Vorteil: Statt Kosten und Abwärme generieren Strassen Strom und schlussendlich Geld.

Die Idee besteht darin, Parkplätze und Strassen für die Stromgewinnung zu nutzen. Diese sollten nach dem Solarkataster ausgewählt werden und wenig befahren sein (öffentliche Plätze, Pannenstreifen, Velowege und so weiter). Bereits gibt es Pilotprojekte in Frankreich, Holland, Nordamerika und China, die auf horizontale Solarpanels auf Strassen setzen. Ein aktuelles Beispiel ist der 2018 realisierte Radweg in Erfstadt bei Köln mit einer Länge von 100m. Die Pläne der Hersteller von Solarstrassen gehen neben der Herstellung von Strom bereits weiter und bieten auch noch induktives Aufladen von Fahrzeugen, Wärmeabgabe bei niedrigen Temperaturen oder Schneefall und agile Bodenmarkierungen mittels LEDs an.

Weitere Ideen sind laufend in Bearbeitung. Wie zum Beispiel das Konzept «Smart Green», wo durch Mithilfe von Sensoren der Feuchtigkeitsgehalt im Boden gemessen werden soll, um die optimale Bewässerung zu bestimmen. Der Wassersensor sendet die Werte an ein Gateway und dieses sendet die Werte an die Cloud. Die Temperatur wird dabei zusätzlich übertragen. Die Statusmeldungen wie Batteriespannung, Signalstärke, letzte Meldung und diverse andere Meldungen werden auch an die Cloud gesendet.

Sehr wichtig bei allen diesen Ideen ist die Datensicherheit und -hoheit. Die Angst besteht, dass im Zeitalter des digitalen Wettbewerbs diese Systeme gehackt werden und somit Lebensbereiche der Bevölkerung entscheidend beeinflusst werden könnten (zum Beispiel in einer Krisensituation, bei Krieg oder ganz einfach durch kriminelle Energie). Um die Regulierung dieses sensiblen Bereichs geht es im SRB-Projekt «Regional Data Space Basel», dessen Ziel die Erarbeitung einer Governance für den Umgang mit Daten ist. Im Rahmen der Smart Suisse wurde die Projektidee mit einem von Energie Schweiz vergebenen Smart City Innovation Award ausgezeichnet.

JoW,
Smart Regio Basel (Quelle)

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