Mädchen im Übergwändli und Jungs im Pflegealltag

Der nationale Zukunftstag ist eine Erfolgsstory und erweitert Horizonte

Am Donnerstag, 10. November 2016 werden einmal mehr hunderte von Betrieben, Hochschulen und Organisationen ihre Türen öffnen. Und zwar nicht etwa, um eigene (Dienst-)Leistungen anzupreisen oder als Marketing- und Verkaufsförderungsmassnahme. Ganz im Gegenteil: Dieser Tag gilt einzig und allein dem Motto «Erweiterte Horizonte für Schulkinder» und will in der ganzen Schweiz Mädchen und Jungs ihre Perspektiven aufzeigen.

(Bilder: zVg) Bei den Mädchen ist das Zukunftstag-Spezialprojekt «Mädchen-Technik-los» sehr beliebt.

(Bilder: zVg) Bei den Mädchen ist das Zukunftstag-Spezialprojekt «Mädchen-Technik-los» sehr beliebt.

Unter dem Motto «Seitenwechsel für Mädchen und Jungs» werden am 10. November 2016 Tausende von Mädchen und Buben ihre Eltern zur Arbeit begleiten oder beteiligen sich an spannenden Spezialprojekten. Für die Fünftklässler/innen gilt die Devise «ab in einen typischen Männer- oder Frauenberuf». Für die Sechstklässler/innen steht die Wahl der Beteiligung an einem Spezialprojekt oder an einem Arbeitsalltag unter dem Motto «Einblicke in für sie untypische Metiers» oder das Eintauchen in einen Arbeitsalltag eines dem Berufswunsch entsprechenden Arbeitenden.

Der nationale Zukunftstag ist seit seiner Einführung vor 16 Jahren ein Riesenerfolg: Immer mehr Unternehmen machen am Grundprogramm des Zukunftstags mit. Haben sich 2014 noch 1’850 Betriebe auf der Website registriert, sind es dieses Jahr sogar mehr als 2’000, nämlich deren 2’100. Effektiv ist die Zahl der einladenden Betriebe weit höher, da die Registrierung fakultativ erfolgt. Insgesamt 541 Betriebe, Fach- und Hochschulen führten 2015 zudem Spezialprojekte für externe Schülerinnen und Schüler durch.

Mädchen an Maschinen und Buben in der Pflege?
Spannend sind jeweils die Reaktionen der Kinder: So zeigen sich die Mädchen jeweils beeindruckt von den Herausforderungen, die in technischen Berufen lauern und können sich nun besser vorstellen, wie ein solcher Arbeitsalltag aussieht. Viele Mädchen überdenken zudem ihren Berufswunsch nach einem solchen Tag oder haben zumindest den Horizont erweitern können. Spezialprojekte wie «Mädchen-Technik-los!», «Mädchen-Informatik-los!», «Mädchen-bauen-los!» sind ein voller Erfolg.  Gleiches gilt für Buben, die beispielsweise erfahren, welche wichtige Rolle und Verantwortungen Pflegefachpersonen haben. Das Projekt «Ein Tag als Profibetreuer» in Kitas oder Pflegeheimen war 2015 sehr beliebt. Mit 339 (Gesundheit & Pflege) und 704 (Betreuung) verzeichnen diese Bubenprojekte stark steigende Teilnehmerzahlen. Viele waren begeistert, so waren einige sogar dabei, wie Kleinstkinder laufen lernten. Ein grosser Moment. Auch die Projektplätze von «Abenteuer Schule geben» waren in den letzten Jahren früh ausgebucht. 207 Jungs gönnten sich die Blitzausbildung zum Lehrer, standen am Nachmittag selber vor einer Klasse und setzten das Gelernte in die Praxis um.

Buben lassen sich auch für «typische Mädchenberufe» begeistern.

Buben lassen sich auch für «typische Mädchenberufe» begeistern.

Beliebte Spezialprojekte –
Grosse Auswahl in der Region Basel

2015 war  Bundesrat Schneider-Ammann einer der hohen Gäste am nationalen Zukunftstag und zeigte sich begeistert: «Mir ist es ein grosses Anliegen, dass Mädchen und Jungen die Gelegenheit erhalten Berufe zu entdecken, die traditionell vom andern Geschlecht ausgeübt werden.». Der Wirtschafts- und Bildungsminister besuchte im November 2015 die zwei Spezialprojekte «Elektronik und Maschinenbau für Mädchen» an der Technischen Fachschule Bern. Sein Fazit damals: «Wir brauchen morgen mehr Mathematikerinnen, Informatikerinnen und Technikerinnen. In diesem Sinne unterstütze ich das Fördern einer offenen, geschlechterunabhängigen Berufswahl. Wer wagt, gewinnt!» Auch Gesundheitsminister Alain Berset teilt die absolute Begeisterung für diesen nationalen Zukunftstag: «Es ist absolut unabdingbar, dass wir die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen und mehr junge Menschen – auch Männer – motivieren, zum Beispiel eben in die Pflege einzusteigen. Um mehr Interessierte zu finden, müssen wir das Berufsbild verbessern und attraktiver machen.»

In Basel bietet beispielsweise die Designerin Tanja Klein von «kleinbasel» ein interessantes Programm: «Der Zukunftstag ist sowohl für die Mädchen und Jungs, wie auch für ein Unternehmen eine grossartige Sache. Da ich eine Verfechterin des dualen Bildungssystems bin, ist so ein praxisnaher Tag natürlich eine Gelegenheit, die Perspektiven in den jeweiligen Berufen aufzuzeigen. Dazu kommt, dass man inspirieren, aber auch über den Berufsalltag aufklären kann. Es geht schliesslich bei aller Demonstration der Attraktivität der jeweiligen Berufe auch um die realistische Wiedergabe des Berufsalltag, wo ebenso Pflichten und Herausforderungen warten.»

Die Spezialprojekte werden übrigens unterstützt vom CURAVIVA, Verband Heime und Institutionen Schweiz,  vom Verband Kinderbetreuung Schweiz kibesuisse, vom Baukader Schweiz, dem Schweizerischer Baumeisterverband, Swiss ICT, Swissmem, Swiss Engineering STV, Swissmechanic, Swico, Schweizer Gewerbeverband sgv, OdA AgriAliForm, Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten, Schweizerische Vereinigung der Ingenieurinnen Svin und Engineers shape our future IngCH. Der Zukunftstag ist ein Projekt der Gleichstellungsfachstellen und -kommissionen der Kantone AG, AR, BE, BL, BS, FR, GE, GL, GR, LU, NE, OW, SG, SZ, TI, UR, ZG, ZH sowie der Stadt Bern und des Fürstentums Liechtenstein. Er wird vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI finanziell unterstützt.

JoW, Quellen: Geschäftstselle Nat. Zukunftstag 

Der Nationale Zukunftstag soll…
… Mädchen und Jungen unbekannte Arbeitsfelder und Lebensbereiche erkunden lassen und ihnen damit die Vielfalt ihrer Zukunftsperspektiven aufzeigen.
… den Mut und das Selbstvertrauen junger Menschen stärken, sich bei der Berufswahl und Zukunftsgestaltung an ihren tatsächlichen Wünschen und Talenten zu orientieren und nicht an stereotypen Rollenvorstellungen.
… Eltern die Möglichkeit bieten, ihren Kindern das Erwerbsleben zu zeigen und damit in der Familie Gespräche über eine offene Berufswahl anregen.
… Schulen die Gelegenheit bieten, Schülerinnen und Schülern neue Horizonte aufzuzeigen und sie im Hinblick auf eine selbstbewusste Zukunftsgestaltung zu fördern.
… Betrieben, Institutionen und Hochschulen die Möglichkeit geben, Mädchen und Jungen an untypische Berufe und Arbeitsbereiche heranzuführen und in eine geschlechtersensible Nachwuchsförderung zu investieren.

Quelle: Geschäftstselle Nat. Zukunftstag

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